Kategorie: Schlaglichter

Es kann einem nicht alles wurscht sein - oder:

25.07.11 Permalink
wias d aus oana Wurscht a Kultobjekt macha konnst.

Geschichte der Currywurst

Die Currywurst wurde der Saga nach im September 1949 von Herta Heuwer in Berlin erfunden. Diese selige Dame hatte eine Imbißbude in Charlottenburg und als Kunden für ihre Bratwurst eine feste Klientel quer durch alle Bevölkerungsschichten, vom Bauarbeiter oder ehemaligen SA-Mann bis hin zum Politiker.

Fortsetzung:

Herta hatte an einem ruhigen regnerischem Tag die Idee, eine Soße zu rühren auf Basis von Tomatenmark, Currypulver, Worcestershiresauce und diese über die Wurst zu geben, damit das Ganze nicht so trocken war. Sie servierte ihren Kunden diese gebratene oder frittierte Brüh- oder Bratwurst in kleine mundgerechte Scheiben geschnitten mit ihrer Sauce darüber. Dazu gab es nach Wunsch ein Brötchen, mit dem man den letzten Rest der Soße vom Teller saugen konnte oder auch in heißem Fett ausgebackene Kartoffelschnitzelchen, welche wir unter dem heutigen Namen als Pommes frites, Pommes oder auch Fritten kennen.
Hertas Kunden waren begeistert, es sprach sich bald in Berlin herum, daß sie die schmackhafteste Bratwurst hatte und Herta konnte bald aus ihrer Bretterbude in ein Ladenlokal umziehen in der Nähe des Berliner Rotlichtviertels. Sie hatte Tag und Nacht geöffnet und beschäftigte oft bis zu zwanzig Verkäuferinnen. Die bekannte Chemiefirma Kraft wollte Herta das Rezept abkaufen, aber sie lehnte das ab.

Die Currywurst im Glockenbachviertel

Wanns d jetz moanst, dass des oiss is, daß d dei Wurscht an a solchan Bude wia auf m Christkindlmarkt oda auf da Dult für dreifuchzge kriagst, dann host di täuscht.

Bei mia ums Eck in da Klenzestrass sann auf fuchzg Meter gleich zwoa Currywurschtboazn und a jeder vo dene moant, dass ihra Wurscht de Beste is. Der oane hod holländische Pommes dazua, obwoih de einglich aus Belgien kumma, der andre gibt an Klecks Majo aufn Ketchup und hoaßt des "Pommes rot-weiß".
Und dreifuchzge konnst da abschminka. I sog jetz nix über d Preise zwengs dem Wettbewerb und so, aba wenns d Wurscht mit Pommes nimmst, zoihst für an Schweinsbrotn im Wirtshaus aa ned mehra. Bloß den kriagst aufm Teller, mit Messer und Gowe serviert und ned in a ra Pappschachtel mit am Zahnstocher drin.
In da Schranne hod oana vasuacht, Currywurscht mit Schampus für an Haufa Geld zu vakaffa, aber des ham d Leit ned so mögn; de sann liaba richtig zum Fuadan ganga für weniger Geld.

I häd do so a Idee für Dallmayr, Käfer, Schuhbeck und so weida: Servierts a kloane Fingercurrywurscht mit drei Pommes auf am weißen Riesenteller, nett higricht ois Kunstwerk mit am Stamperl Prosecco für an Fuchzger und euer Laden brummt.

Mei, sann manche Leit bläd…

Herzlichst, Euer Nordlicht

von Norbert Ruge

Von Karl-Heinzi's, Meier's und anderen Veränderungen

07.06.11 Permalink
von Norbert Ruge

Ja mei, so ist sie nun mal - die gute neue Zeit...

Früher, da bist du auf ein Feierabendbierchen in deine Stammkneipe in der Ickstatt-, Westermühl-, Klenze- und andere Straßen hier in deinem Viertel gegangen. Du kanntest den Wirt und die Bedienungen persönlich, sie haben sich gefreut, daß du wieder dein Geld bei ihnen läßt oder auch einfach nur, weil sie dich wieder einmal sehen.

Das Bier war gut für zweieurofünfzig, der Schnaps war noch besser für eineneuroneunzig und alle in diesen kleinen Boazn haben miteinander geredet und versucht, die Probleme des menschlichen Miteinanderseins nicht zu lösen, aber wenigstens zu verstehen.

Fortsetzung:

Du erfuhrst, wann der Werner vom Gärtnerplatztheater wieder einmal im Suff nächtens die Garderobe im ehelichen Flur zerlegt hatte und wann sich der schwule Detlev aus der Hans-Sachs-Straße wieder einmal unsterblich verliebt hatte in einen stocknormalen, verheirateten Gerüstbauer, dem er in der Frühe aus seinem Küchenfenster auf die pralle Hose schauen durfte beim Gerüstbauen.
Beim Tengelmann am Gärtnerplatz konntest du vor lauter "Servus, Griaß Di und Ja mei, lebst Du a no-Sagen" nicht in Ruhe einkaufen, weil du jeden gekannt hast.

Schee wars - unser Dorf im Millionendorf.
Aber, nichts währt ewig.

Lebte das Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel bis vor einiger Zeit noch durch die Vielfalt seiner kleinen Geschäfte und Nachbarschaftskneipen, durch die Bewohner, die eine gesunde Mischung aus Alt und Jung, Fremden und Einheimischen bildeten, so mutiert es heute zu einem Zombie-Viertel. Die Mietpreise steigen schneller als die Isar nach der Schneeschmelze, die angestammten Bewohner werden verdrängt von Yuppie-Familien, die wenig arbeiten, dafür aber umso mehr verdienen mit ihren sog. Home-Offices und sich die Phantasie-Mieten leisten können.
Schöne Altmünchener Bürgerhäuser werden entkernt und luxussaniert. Immobilien-Gesellschaften und Makler stürzen sich wie Aasgeier auf die verbleibenden Reste Münchener Kultur und schlachten sie erbarmungslos des Profits wegen aus.

Es klagt zwar ein jeder, daß er so arm sei, aber, ein Geländewagen für 100.000,- zum Semmelnholen in der Früh, eine schicke Luxuswohnung mit Isarblick für schlappe 350.000,- müssen aber schon drin sein.

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