Janka aus der Klenzestraße

15.02.11 Permalink
Das Interview führte die Redakteurin von "Hundeleben" im März 2009 bei Janka zu Hause.

JankaAyka (sitzt auf dem Boden vor der Couch, auf der Janka lässig thront):
Find ich toll, daß Du Dich als erster Hund im Viertel vorstellst. Danke.

Janka (jovial):
Mach ich doch gerne. Als gebürtige Südländerin habe ich ja auch nicht das Verkniffene der Deutschen.

Ayka:
Da sprichst Du schon meine ersten Frage an: Woher kommst Du und wie lange lebst Du im Glockenbachviertel?

Fortsetzung:

Janka:
Ursprünglich komme ich aus Spanien; als ich ein viertel Jahr alt war, bin ich nach Deutschland gekommen. Seit über zweieinhalb Jahren lebe ich nun schon im Glockenbachviertel.

Ayka:
Wieso bist Du weg aus Spanien?

Janka:
Na ja, mein Leben dort war nicht so toll. Unsereiner ist ja angewiesen auf einen verantwortungsvollen Rudelführer und da habe ich schlicht die Arschkarte gezogen. (Janka verdreht die Augen gen Zimmerdecke). Irgendwann war es nicht mehr auszuhalten und gottseidank haben mich die Leute von "Animal Help Espania" entdeckt und mich erst einmal aus der Gefahrenzone gebracht.

Ayka (erschrocken):
Mei, Du Arme.

Janka:
Ich hatte Glück dadurch, daß ich mit einem viertel Jahr noch sehr jung war und meine hellbraunen Augen einem Pärchen aus München - Andreas und Jacqueline - so gefangen nahmen, daß sie mir eine zweite Chance in geordneten Verhältnissen boten. Tja (Janka besieht sich eine Vorderpfote) und so bin ich im Glockenbachviertel gelandet.

Ayka:
Gefällt es Dir im Glockenbachviertel?

Janka:
Oh ja! Hier gibt es jede Menge Hunde und die meisten sind auch ganz okay.

Ayka:
Magst Du welche ganz besonders?

Janka:
Da kann ich meine südländischen Gene nicht verleugnen (lächelt verlegen): Der Grieche Rocky zum Beispiel...

Ayka:
Ah, der Semmelblonde mit dem verletzten Bein aus der Hans-Sachs-Straße?

Janka:
Ja, genau. (verdreht entzückt die Augen) So was von Temperament! Und dann Wilma und Ninja, beides Spanierinnen; total süß.

Ayka:
Die Wilma kenn ich auch - ist wirklich ein nettes Teil. JankaJanka:
Na, wenn Du schon mir ihr klarkommst!

Ayka (mit einem Anflug von Empörung):
Bitte? Wie war das jetzt gemeint?

Janka:
Na ja, Du bist ja Deinen Geschlechtsgenossinnen gegenüber manchmal ganz schön ... Auf gut Spanisch würde ich sagen: Macha.

Ayka (räuspert sich verlegen):
Ja mei, nicht nur Spanierinnen haben Temperament, Bayern schon auch. - Und welche Hunde magst Du nicht so?

Janka:
Huskys und Golden Retriever. Huskys sind meistens recht reserviert, so ...

Ayka:
Kühl.

Janka:
Ja, Ich weiß auch nicht: Da habe ich immer das Gefühl, die wollen in Ruhe gelassen werden. Ein hingeworfenes "Hallo" im Vorbeigehen, okay. Aber mal zusammen im Gebüsch hocken und mit einem getrockneten Schweineohr an einer Schnur vorbeilaufende Hunde ärgern? Geht irgendwie nicht. Das ist natürlich nur mein subjektiver Eindruck und kein allgemein gültiges Urteil. Und mit Golden Retriever kann ich auch nicht so gut. Ich habe bei denen immer das Gefühl, daß sie nie satt werden. Ich empfinde sie als ernste Bedrohung meiner Leckerli-Vorräte.

Ayka:
Da fehlt Dir der Tiefgang?

Janka:
Ja, vielleicht ist es das. Auch wenn ich mit meinen drei Jahren wahrlich nicht zum alten Eisen gehöre (setzt sich in Positur), aber ich lege schon Wert auf gewisse Umgangsformen. Und Mädels in meiner Größe sind auch nicht so mein Ding. (Hebt die Augenbrauen und schaut von unten herauf) Da kann ich unangenehm werden und weiß mich dann manchmal nicht zu benehmen.

Ayka:
Wie schaut denn so ein typischer Tag bei Dir aus?

Janka:
Jetzt wieder sehr entspannt. Als meine Rudelführer noch den Laden hatten, gab es ziemlich Streß für mich. Ich mußte den Laden bewachen...

Ayka:
Du "mußtest"?

Janka (winkt mit einer Vorderpfote ab):
Das wir mir ein inneres Anliegen, das muß man mir doch nicht befehlen! Und ich war richtig gut: Ich habe erfolgreich alle Kunden vergrault.

Ayka:
In dem Laden gab es doch auch jede Menge Goodies, eine ständige Versuchung. Aber nachdem Du recht schlank bist, konntest Du offenbar widerstehen?

Janka:
Das ist eine Frage der Disziplin.

Ayka:
Apropos Disziplin: Bist Du Frühaufsteherin?

Janka (schüttelt sich angewidert):
Nein, überhaupt nicht. Früh morgens gehe ich nur vor die Tür, wenn die Blase unüberfühlbar quengelt. Das dauert höchstens eine Minute und dann will ich wieder aufs Sofa. Ich bin eher ein Nachthund, sogar noch mehr als meine Rudelführer. Wenn sie nachts um eins noch eine letzte Runde mit mir drehen, gähnen sie auf dem Rückweg schon, und ich fahre noch mal den Turbo hoch und will Action. Meistens kann ich sie dazu überrreden.

JankaAyka:
Du hast Deine Leute also gut im Griff?

Janka:
Ich denke schon. Sie kriegen ja auch viel zurück; das ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen. Und für die vielen Stunden, die sie mich kraulen dürfen, verschaffe ich ihnen in den Isarauen Gelegenheit zum gesundheitsfördernden Joggen, wenn ich an der Leine ein etwas sportlicheres Tempo vorgebe. Geht es meinem Rudel schlecht, muß ich vor lauter Mitgefühl auch schon mal kotzen.

Ayka:
Würdest Du Dich als Gesellschaftshund bezeichnen?

Janka:
Durchaus. Ich freue mich über jeden Besuch, auch unangemeldeten. Südeuropäer sind da einfach anders. Ich mag sogar den Postboten. Ich halte das sowieso für ein unausrottbares Vorurteil, daß Hunde auf Briefträger losgehen!

Ayka:
Find ich auch. - Verreist Du gerne?

Janka:
Fliegen verbietet sich ja für uns Hunde, finde ich. Autofahren - na ja, wenn es unbedingt sein muß.

Ayka:
Kennst Du übrigens den Witz mit dem Yorkshire-Terrier? (Janka schüttelt den Kopf) Kommt ein Yorkshire-Terrier in einen Schreibwarenladen und sagt zu der Verkäuferin:
"Bitte einen Briefumschlag."
Die Verkäuferin: "Mit oder ohne Fenster?"
Der Yorkshire entrüstet: "Mit Fenster natürlich ; ich reise immer erster Klasse."

(Ayka prustet los und haut mit einer Vorderpfote auf den Boden)

Janka (etwas angestrengt lächelnd):
Der ist gut. In Spanien hätten wir gesagt: Eine Runde auf dem Rücken eines Stiers um die Hazienda und Du kannst Dir das Geld für das Rückfahrticket sparen. - Nun gut. U-Bahn und Trambahn mag ich, Rolltreppen auch; da zerre ich Frauchen schon regelmäßig hin!

Ayka:
Was hat eine Rolltreppe mit Verreisen zu tun?

Janka (philosophisch sinnierend):
Eine Rolltreppe kann eine Reise ins Ich sein: Beim schwerelosen Schweben in den Himmel oder abwärts in das Dunkle, Deine vier Pfoten stehen und doch wirst Du bewegt. Wie von Geisterhand...

JankaAyka:
Ah ja, das ist fast wie die Meditation über ein viereckiges Frolic; eine diskussionswürdige Sichtweise. - Gehst Du gern in Kneipen?

Janka:
Schon, ja. Das "Sax" und "Faun" sind meine Stammkneipen.

Ayka:
Stimmt. Wir hatten uns ja vor ein paar Tagen auf der Sax-Terrasse zufällig getroffen. Da warst Du ganz schön stinkig, obwohl wir uns schon lange kennen.

Janka:
Das darfst Du nicht persönlich nehmen: Als ich noch in Spanien lebte, ging es bei mir wirklich ums Überleben. Das kriegt man nicht so schnell raus aus der Psyche.

Ayka (jovial):
Null Problemo. Danke für das Interview; war wirklich nett mit Dir. (steht auf).

Janka (auf dem Weg hinaus):
Ich weiß ja nicht, wie das im Glockenbach-Kurier läuft, ob Du das veröffentlichen kannst. Aber ich hätte ein Spiel für Hunde, das wir in Spanien oft gespielt haben: Man suche sich einen altersschwachen Stier und ziele mit Frolic auf seine Hörner. Wer als erstes drei Frolic auf die Hörner plazieren kann, hat gewonnen.

Ayka:
Nette Idee. Aber wo kriegen wir im Glockenbachviertel einen Stier her?

JankaJanka (kratzt sich mit einer Vorderpfote am Kopf):
Stimmt. - Man könnte den Stier ja durch ein Bierglas ersetzen.

Ayka (mit einem Knuff in Jankas Seite):
Das schreit nach einem neuen Freischankflächen-Event: "Frolics' Love Parade".

Janka:
Fein! Ich komm dann im Glow-in-the-Dark-Skelettkostüm!