Isarplan bringt Schwalben nach München zurück
Bestandsaufnahme des Landesbund für Vogelschutz belegt die Rückkehr der fliegenden Wetterboten in Münchner Hinterhöfen:Jahrelang waren Mehlschwalben in der Münchner Innenstadt so gut wie verschwunden. Durch die starke Flächenversiegelung in der Stadt fanden sie kein Material zum Bauen oder Erneuern ihrer Nester mehr, auch Nahrung war knapp. Doch nun sind sie wieder da: In den an die Isar angrenzenden Bereichen der Isarvorstadt und Au hat der Landesbund für Vogelschutz im Rahmen seiner jährlichen Kartierung Gebäude bewohnender Vogelarten viele neu gebaute oder frisch ausgebesserte Schwalbennester entdeckt.
Grund für ihre Rückkehr der Mehlschwalben dürfte der„Isarplan“, ein Gemeinschaftsprojekt der Landeshauptstadt München und des Freistaats Bayern, sein. Seit Jahren wird die Isar mit viel Engagement abschnittsweise naturnah umgestaltet.
Fortsetzung:
Bei diesen massiven Bauarbeiten wurde das Unterste zuoberst gekehrt und somit stand jede Menge Baumaterial für Schwalbennester zur Verfügung – sozusagen vor der Haustüre. Denn die Mehlschwalben fackelten nicht lange und verbauten das Material an den in Isarnähe gelegenen Häusern.Sie nutzten dazu meist die Unterkonstruktionen von Balkonen als Unterstützung für die kugeligen Lehmnester. Mancherorts entstand so ein geradezu ländlich anmutendes Bild von Schwalben-Flugverkehr in innerstädtischen Hinterhöfen.
Daniela Schaufuß, Projektleiterin des Isarplans im städtischen Baureferat Ingenieurbau freut sich über die Rückkehr der Schwalben in München: „Neben dem Hochwasserschutz ist die Renaturierung der Isar und damit die Schaffung neuer Lebensräume für Tiere und Pflanzen eines unserer Hauptziele. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schnell die neue Isar von der Natur erobert wird. Es ist fantastisch, dass jetzt auch die Schwalben die Isar für sich entdecken und profitieren."
Als Kulturfolger sind Schwalben nicht nur an die Nähe des Menschen gewöhnt, sie sind auch auf unseren Schutz angewiesen. Denn allzu oft kommt es zu Konflikten zwischen brütenden Schwalben und Mensch. Weil Fassade und Boden unter dem Nest nicht immer ganz sauber bleiben, werden Schwalben manchmal vergrämt, die Nester entfernt – obwohl diese, wie die Schwalben selbst, ganzjährig unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes stehen.
Sicher sind Kotspritzer an der Fassade oder auf dem Balkon lästig; gesundheitsgefährdend sind sie jedoch nicht. Und betroffenen Bürgern hilft der LBV gerne, eine Lösung zu finden, um die Verschmutzung zu steuern. Ein Kotbrettchen zum Beispiel bewirkt schon viel“, sagt Sylvia Weber, Projektleiterin für Artenschutz an Gebäuden beim Landesbund für Vogelschutz in München, „immerhin handelt es sich bei den Mehlschwalben um einen Vogel der Vorwarnliste gefährdeter Arten.“
Der Landesbund für Vogelschutz hilft auch, wenn ein Nest im Laufe der Jahre brüchig wird oder gar einmal herunterfällt: Schwalbennisthilfen aus Naturfaserbeton kann man in der Klenzestr. 37 im Naturschutzzentrum des LBV (geöffnet von Montag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr) kaufen. Dort und im Foyer des Planungsreferates in der Blumenstr. 19 bekommt man auch die kostenlose Informationsbroschüre „Gemeinsam unter einem Dach: Menschen und Schwalben.“ Darin enthalten ist neben vielen Tipps und Infos zu Mehl- und Rauchschwalbe auch ein Meldebogen.
Der Landesbund für Vogelschutz bittet auf diesem Weg die Münchner, Schwalbennester im Gebiet der Landeshauptstadt zu melden. So kann die Bestandssituation noch besser eingeschätzt werden. Durch langjährige Beobachtung wird sich dann zeigen, ob durch die Isarrenaturierung Mehlschwalben auch langfristig wieder einen Lebensraum in der Münchner Innenstadt finden.
Quelle: LBV
Fotos: Andreas Schulze und Anita Hatlapa
