Kategorie: Theater & Kino
Neue Heimat für das ValentinKarlstadt-Theater
Er hatte ein Angebot aus den USA und folgte dem Lockruf nicht - "weil man da nicht mit der Trambahn hinfahren kann". Und er wußte auch, warum der Turm vom Alten Peter seinerzeit acht Uhren hatte: "Damit acht Leute gleichzeitig auf die Uhr schauen können". Seinem skurrilen bis absurden Humor ist ein "Musäum" gewidmet und selbst bei der Techno- und Facebook-Generation ist er kein Unbekannter: Karl Valentin.
Fortsetzung:
1948 an einer verschleppten Lungenentzündung gestorben (nach einer eisig kalten Winternacht in einem Theater in der Wörthstraße, weil man ihn dort versehentlich eingesperrt hatte), war er mit seiner kongenialen Partnerin Liesl Karlstadt weit über Münchens Grenzen hinaus bekannt, wobei ihm ausgerechnet die Münchner ab den 1940er Jahren ihre Treue versagten.
1999 gründeten Christian von der Au, Gerald Karrer und Bele Turba das ValentinKarlstadt-Theater und fanden im 2. Untergeschoß des Hofbräukellers eine Heimat. Im Mai 2008 war jedoch Schluß: Der Theaterraum wurde geschlossen und die Truppe begab sich auf Gastspielreisen. Im "Bachbett" hat das ValentinKarlstadt-Theater nun einen neuen, festen Spielort gefunden. Ab 28. Januar treten die Künstler einmal im Monat mit ihrem "Valentin Varieté" auf: Drei Valentin-Einakter, eingebunden in skurrile Chansons der damaligen Zeit und Zwischentexten. Gespielt werden die Klassiker "Der Firmling", "Der Theaterbesuch" und "Der verhexte Scheinwerfer". Von Valentin 1934 geschrieben, ist ihr Humor, der allzu Menschliches auf absurde Spitzen treibt, nach wie vor aktuell: Wir Menschen sind ja nicht anders geworden in den letzten Jahrzehnten.Noch kein Feedback
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Fäden, die die Welt bedeuten: das Münchner Marionettentheater
von Karin Zick
Am Münchner Marionettentheater könnte man beinahe vorbeigehen: Recht unauffällig steht das kleine klassizistische Gebäude am östlichen Ende der Grünanlage in der Blumenstraße. Aber es ist etwas Besonderes: das weltweit erste, feststehende Marionettentheater (190 Plätze)! Hier agieren nicht die großen Namen der Theaterwelt, und keine Inszenierung wird von arrivierten Kulturkritikern mehr oder weniger intelligent bejubelt oder niedergebügelt. Man sieht nicht einmal lebendige Schauspieler auf der Bühne! Aber sie sind da und nehmen gefangen: In ihrer hohen Kunst, mit zehn Fingern leblosen Figuren aus Holz, Leim, Stoff und Fäden eine Lebendigkeit einzuhauchen, der mancher Schauspieler aus Fleisch und Blut vergeblich hinterherhechelt.
Fortsetzung:
Seit 2000 leitet Siegfried Böhmke das Münchner Marionettentheater. Und das nicht von ungefähr, denn er ist dem Haus seit langem verbunden: „Mein Vorgänger (Franz Leonhard Schadt) wurde 2000 90 Jahre und nach 43 Jahren seiner Intendanz hat die Stadt München gesagt: Seine Pension hat er wirklich redlich verdient. Ich wurde kurz vor Weihnachten 1999 gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Haus zu übernehmen. Da mußte ich nicht lange überlegen. Denn ich habe unter meinem Vorgänger hier schon als ganz junger Mensch gearbeitet in allen Positionen. Ich kannte das Haus in- und auswendig, und habe mich immer schon mit dessen Geschichte befaßt.“ Mit 11 Jahren besuchte Böhmke eher zufällig zum ersten Mal eine Vorstellung im Münchner Marionettentheater und „Da passierte eben genau die Magie: Der Vorhang ging auf und da tat sich eine Welt auf, die so faszinierend war, daß sie mich seit diesesem Tag nicht mehr losgelassen hat. Daß ich viele Jahre später hier mal Chef werde, das ist ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht; das ist unwahrscheinlich!“
Am 1.3.2000 kam der Anruf, daß Böhmke der neue Chef ist. Der Posten ist mehr als ein Fulltime-Job: „Wenn ich das Theater verlasse, dann endet für mich der Tag noch lange nicht: Ich arbeite zu Hause z.B. an den Figuren, an Entwürfen für Bühnenbilder und an der Bearbeitung oder dem Selber-Schreiben von Stücken. Mein Tag endet meist um ein Uhr nachts.“
Die lange Tradition des Münchner Marionettentheaters reicht bis in das Jahr 1858 zurück: Der aus Amberg stammende Bürger und Vereinsaktuar Josef Leonhard Schmid ("Papa Schmid") kam nach München wandte sich an die Stadt mit der Bitte um Begutachtung seines Planes zur "Errichtung eines ständigen Marionettentheaters für Kinder". Ein paar Puppen und Kulissen hatte Schmd im Gepäck, aber es fehlten die Stücke. Als Schmid von dem Münchner Jugendschriftsteller, Hofbeamter und Künstler Franz Graf von Pocci hörte, fragte er bei ihm an, ob er für ein Marionettentheater schreiben würde. Pocci sagte zu und es entstand eine langjährige Zusammenarbeit. Der „Kasperlgraf“ Pocci ist der Erfinder des Kasperl Larifari, der von da an und bis heute der "Hausherr" des Münchner Marionettentheaters ist. Unter Poccis Feder entstanden 50 Kasperl-Stücke für das Haus.
Im November 1858 wird Schmids Vorhabens genehmigt. Erst nach 42 Jahren (1900) ist die Stadt München bereit, für das inzwischen etablierte Marionettentheater ein eigenes Domizil zu errichten.
Am 4. November 1900 wird dieses Theater das erste Mal für das Münchner Publikum geöffnet und spielt seitdem mit wachsendem Erfolg. In den Jahren 1986 – 1988 wurde das Marionettentheater umfassend renoviert und modernisiert und besteht - denkmalgeschützt - seither in seiner jetzigen Form.
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