Kategorie: Kunst & Literatur
Der göttliche Rausch - Dionysos in der Glyptothek
von Heide-Marie Emmermann
Foto: flickr.com, Lux Tonnerre
Die Glyptothek kennt jeder. Nur: Wer geht da hin? Die Skulpturen sagen uns nicht mehr viel, sie gehören einer Kultur an, die uns fremd geworden ist. Wir können uns das vorstellen, dazu eine Beschreibung lesen. Aber: So richtig lebendig wird das nicht für uns. Es geht aber auch anders. Wenn man sich einer fachkundigen Führung anschließt, zum Beispiel der von Prof. Raimund Wünsche:
Die Skulptur Dionysos:
Er ist uns bekannt als eine griechische Weingottheit. Efeubekränzt, von Löwe, Panther, Silenen und Satyrn begleitet, in nächtlichen Festen ekstatisch gefeiert.
Er wurde angesehen als eine Möglichkeit, sich zu lösen zu sich selbst zu kommen. Auf jeden Fall war dies nicht negativ besetzt, wie wir das heute tun. Und schon gar nicht beurteilt. Eine Beurteilung kannte die Antike nicht. Daher kannte die Antike auch nicht das, was wir heute "Schuld" nennen.
Wer sich im Rausch befand, und verrückt sprach, oder Verrücktes tat, der wurde als vom Gott berührt betrachtet und mit ehrfürchtiger Scheu behandelt. Was wir heute Alkoholsucht nennen, behandeln wollen, als krank betrachten, wurde als "Schicksal" angenommen.
Zu den Trinkfesten kam jeder. Ob arm oder reich. Und die Herrscher, die gottgleich sein wollten, spendeten der ganzen Stadt eine ganze Nacht lang Wein. Nur sein eigenes Trinkgefäß mußte jeder mitbringen. Heute würden wir sagen: Es gab Freibier. Ungefähr so, als wenn das Oktoberfest ein einziges Freibierfest wäre.
Und wer alt und reich war, gab große Feste. Man wünschte sich, im Vollbesitz der körperlichen und erotischen Kräfte, die durch mäßigen Weingenuß angeregt werden, diese Weit verlassen zu können. Man wollte es, um es bayrisch auszudrücken, noch einmal so richtig "krachen" lassen. In der Antike wurde das Lebensalter nicht wie wir das heute tun, nach der Zeit oder den Jahren, die man hier noch verbringt, gerechnet, indem man alles dafür tut, noch einige Jahre länger zu leben. Sondern wichtig war die Intensität, mit der man lebte.
Dies und noch viel mehr hat Prof. R. Wünsche, aus einer einzigen Skulptur ableiten und lebendig erklären können. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, leben in einem anderen Zeitalter. Aber wir können auf unser aller kulturelle Vergangenheit einen Blick werfen, um die eigene Gegenwart ein wenig anders wahrzunehmen. Denn es gilt: "Alles fließt. Nur der Wandel bleibt" wie schon der griechische Philosoph Heraklit so treffend schrieb.
Führungen dieser Art finden periodisch abends um 18.00 Uhr in der Glyptothek statt.
Eintritt € 3,50, für Rentner € 2,50. Diese Führungen sind ein "Geheimtipp" .
Foto: flickr.com, Lux Tonnerre
Die Glyptothek kennt jeder. Nur: Wer geht da hin? Die Skulpturen sagen uns nicht mehr viel, sie gehören einer Kultur an, die uns fremd geworden ist. Wir können uns das vorstellen, dazu eine Beschreibung lesen. Aber: So richtig lebendig wird das nicht für uns. Es geht aber auch anders. Wenn man sich einer fachkundigen Führung anschließt, zum Beispiel der von Prof. Raimund Wünsche:
Die Skulptur Dionysos:
Er ist uns bekannt als eine griechische Weingottheit. Efeubekränzt, von Löwe, Panther, Silenen und Satyrn begleitet, in nächtlichen Festen ekstatisch gefeiert.
Fortsetzung:
Einen Rausch zu haben, vom Wein berauscht zu sein, galt in der Antike nicht als alkoholisiert oder gar alkoholkrank zu sein. Das Wort Alkohol kannten die Griechen noch nicht. Es stammt aus dem Arabischen und wurde erst später inkulturiert. Der Rausch durch den Wein wurde kultiviert, um den Sorgen zu entfliehen, den sozialen Zwängen.Er wurde angesehen als eine Möglichkeit, sich zu lösen zu sich selbst zu kommen. Auf jeden Fall war dies nicht negativ besetzt, wie wir das heute tun. Und schon gar nicht beurteilt. Eine Beurteilung kannte die Antike nicht. Daher kannte die Antike auch nicht das, was wir heute "Schuld" nennen.
Wer sich im Rausch befand, und verrückt sprach, oder Verrücktes tat, der wurde als vom Gott berührt betrachtet und mit ehrfürchtiger Scheu behandelt. Was wir heute Alkoholsucht nennen, behandeln wollen, als krank betrachten, wurde als "Schicksal" angenommen.
Zu den Trinkfesten kam jeder. Ob arm oder reich. Und die Herrscher, die gottgleich sein wollten, spendeten der ganzen Stadt eine ganze Nacht lang Wein. Nur sein eigenes Trinkgefäß mußte jeder mitbringen. Heute würden wir sagen: Es gab Freibier. Ungefähr so, als wenn das Oktoberfest ein einziges Freibierfest wäre.
Und wer alt und reich war, gab große Feste. Man wünschte sich, im Vollbesitz der körperlichen und erotischen Kräfte, die durch mäßigen Weingenuß angeregt werden, diese Weit verlassen zu können. Man wollte es, um es bayrisch auszudrücken, noch einmal so richtig "krachen" lassen. In der Antike wurde das Lebensalter nicht wie wir das heute tun, nach der Zeit oder den Jahren, die man hier noch verbringt, gerechnet, indem man alles dafür tut, noch einige Jahre länger zu leben. Sondern wichtig war die Intensität, mit der man lebte.
Dies und noch viel mehr hat Prof. R. Wünsche, aus einer einzigen Skulptur ableiten und lebendig erklären können. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, leben in einem anderen Zeitalter. Aber wir können auf unser aller kulturelle Vergangenheit einen Blick werfen, um die eigene Gegenwart ein wenig anders wahrzunehmen. Denn es gilt: "Alles fließt. Nur der Wandel bleibt" wie schon der griechische Philosoph Heraklit so treffend schrieb.
Führungen dieser Art finden periodisch abends um 18.00 Uhr in der Glyptothek statt.
Eintritt € 3,50, für Rentner € 2,50. Diese Führungen sind ein "Geheimtipp" .
