Kategorie: Glosse & Satire

Stille Nacht...

08.12.11 Permalink
von Karin Zick

Leise rieselt da Schnee,
d weiße Decka wachst in d Höh.
Da Räumdienst schaufelt ohne Ruah
am Straßenrand de Autos zua.

Und drinna in da warma Stubn,
genga feine Grüchal um:
A Ganserl, gestern no bei Aldi gfrorn
is ins Backrohr neigschobn worn.

Da Hausherr werkelt mit de Flaschn,
wui d Gäst aa heier überraschen:
mischt zamm, wos jeder kennt,
er aber sein "Spezialpunsch" nennt.

Und er hod aa de Nordmanntanna
neigstellt in a volle Fuaßbodwanna.
Weil dem Bamm da Kollaps droht:
Er war a Sonderangebot.

D Gäst kumma, Schlog auf Schlog,
aa soichane, de ma ned mog.
Sann eigladn wordn - bloß heit
wega da Weihnachtsfriedlichkeit.

War bläd - noch a ra hoibn Stund
gehts in da Weihnachtsdeko rund.
So lang ned gseng, is vui aufgstaut,
wos se zum Gwittersturm aufbaut:

Böse Worte schalln durchs Zimmer:
"Du Hoisabschneider! Warst scho immer!
Wos wuist n du? Du Bonsaihirn!
An Watschnbamm konnst d gspian!"

Es werd gstrittn und diskutiert -
während s Ganserl zum Brikett mutiert.
Da Weihnachtsbaum mit lahme Glieder
sinkt unter seiner Schmückung nieder.

D Wohnungstür knallt boid minütlich;
d Gäst flüchtn - jetz werd s gmiatlich.
De schwarze Gans werd zerhackt,
fia Nachbars Dackel zammapackt.

Noch literweism Punschgenuß
faßt ma wieder den Beschluß:
Daß ma fias Weihnachtsbammerl weida lafft
und ned des Glump vom Baumarkt kafft.
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Weihnachten ist überall..

08.12.11 Permalink
von Norbert Ruge

Na ja. Eigentlich hat Weihnachten ja schon kurz nach Ostern begonnen. Denn da gab es in den Regalen unserer Supermärkte die ersten Schokoladen-Weihnachtsmänner, die von billigen osteuropäischen Leiharbeiterinnen für 1,79 Mindestlohn vom Osterhasenstaniolpapierl befreit und mit Weihnachtsmannstaniolpapierl umgepackt wurden. Denn die Form der beiden ist die gleiche. Sowas nennt man Produkt-Marketing oder, um es moderner auszudrücken, Profit-Maximierung. Aber, wer im Hochsommer Glühwein trinkt und dazu Spekulatius knabbert, ist selber schuld.

Können wir Weihnachten eigentlich entfliehen? Wir können machen, was wir wollen: Weihnachten ist überall!

Wir können vielleicht dem Finanzamt entfliehen, wenn wir ins Ausland flüchten, wie es manche hochrangige Politiker so gern tun; wir können vielleicht dem Gerichtsvollzieher entfliehen, wenn wir unsere Haustüre mit fertiger getrockneter Schweinsbratenkruste vom Lamm aus Tunesien oder alten getragenen Schuheinlegesohlen von der Auer Dult vernageln.

Fortsetzung:

Oder vielleicht unserer Schwiegermutter, wenn wir sie einfach nicht mehr einladen und uns tot stellen, weil wir nicht mehr ans Telefon gehen, aber Weihnachten? - Nie und nimmer! Weihnachten ist überall.

Wir können eine Adventure-Trecking-Tour auf den Mount Everest machen und der Yeti dort oben auf achteinhalbtausend Meter begrüßt uns zahnlos freundlich grinsend, mit einem Mistelzweig in seiner Pratze herumwedelnd. Wir können in die 45 Grad heiße Karibik fliegen und werden unter einem grauenhaft kitschigen Plastikchristbaum mit jingelnden bells berieselt, wenn wir unseren Mai-Tai schlürfen. Und beim Tauchgang dortselbst hat sogar der gefräßige giftige Feuerfisch statt eines menschlichen Fingers einen Tannenzweig in seinem Maul. Wir können mit dem Space-Shuttle einen sündteuren Ausflug ins All machen, aber auch hier klopfen außerirdische Aliens verzückt an unser kleines Panzerglasfensterchen mit einer roten Zipfelmütze mit weißer Troddel auf dem Wasserkopf.
Wir können mit einem Fallschirm inmitten der Savanne abspringen und wenn wir am Boden ankommen, steht die Löwenfamilie zahm und schwanzwedelnd im Kreis und knurrt aus tiefster Kehle „Oh Tannenbaum“.
Wir können auch nur einfach daheim bleiben und sagen: "Laßt’s mir alle mei Ruah". Aber selbst da erwischt uns Weihnachten im Radio oder Fernsehen gnadenlos rund um die Uhr. Und die Vorhänge sollten wir geschlossen halten, denn die ganze Nachbarschaft im Wohnblock wetteifert, wer denn den schönsten blinkenden, bunten, stromfressenden Lichterglanz im Küchenfenster funkeln läßt.

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Ein Rezept fürs ganze Jahr: Gans in Obstler

07.07.11 Permalink
von Norbert Ruge

Lieber Glockenbach-Kurier-Leser,
nach jahrelangen Nachforschungen rund um den Globus ist es mir gelungen, ein uraltes Geheimrezept wiederzufinden, von dem Küchenchefs auf der ganzen Welt geglaubt hatten, es sei längst verschollen und welches ich auch Ihnen nicht vorenthalten möchte: Gans in Obstler

Zutaten:

1 schöne fette ausgenommene Gans, ca 5-10 kg
1 Bund Petersilie
1 dicke, große Mohrrübe
Pfeffer, Salz
1 kg Zwiebeln (besonders scharfe)
Bratfett
1 Literflasche Obstler und 1 Schnapsstamperl

Zubereitung:

Damit Sie der schwierigen Aufgabe auch gewachsen sind, schenken Sie sich erstmal einen Obstler ein und trinken den auf einen Zug. Heizen Sie jetzt den Herd auf 200 Grad vor.
Die Gans pfeffern und salzen, die Petersilie nehmen und diese der Gans vorsichtig halb in den After schieben. Genießen Sie einen Augenblick das harmonische Zusammenspiel der Farben: das satte Grün der Petersilie, das einen anmutigen Kontrast zur kalkweißrosafarbenen Haut der Gans bildet. Als Belohnung dürfen Sie sich wieder ein Stamperl Obstler eischenkn und trink wech.
Nu schäln se die Ssswiebel, möchlichs unner Wasser, damit se nich so heuln müssn. Wennse nich solange die Luft anhalten könn, hamse Pech gehabt. Trinkense ersmal wiedern Obssler. Wennses Stamperl nich mehr treffen, setzense die Flasch annen Hals.

Fortsetzung:

Nu müssense die Karodde würfln, Hausfraun aba Achdung, machense dat fix, damit se keene unkeusche Gedanken nich kriegn. Reißense sich jetz etwas zusammen und schiemse dat ganze innen Owen, drehn se den Termossat uff 250 Graad damit dat ornlich kracht unnbrummt. Kippense sich nochn Obschler hinner de Binde..
Nach halm Schdunde öffnen, wenden unnen Bradn bobachten. Aba drauf achn, sisch nit die Hand zu vbrenn an di Schaiss-Ohfndür. Jetz könnse nix mehr machn, nur waadn und braadn. Wennse langweilig sinn, setzense die Buddel anne Gurgl unn trinkense nen Ohsler.
Sisch waidare ffünff oda siehm Schnapps innen Glas sisch un dann unn so. Dat Ding waiderbraan swei Schunnt, is aber eh wursch und pinkeln geen. Nochnnn Snappps. Unnnnochein. Unnnnnocheinn.

Das Viech is ferddich, wennse die Pulle leer hamm. Nuvorsich, vasuchense, dat Ganze ausn Owen sssu sssiehn. Weilse so besoffen sinn, rutscht dat wech unn der fettische Vogel lannet uffn Küchnboon.
Uffbasse, dasse nit ausrutschn aufn schaissfettichn Kühnboon fasuhn wida aufherrssaftnochamallzekruzifixisdatruschichodersolalalaisjaehalletschaisssegaaallalala...
Pennse jetz ersmal ihrn sauban Rausch aus.

Am nächsten Morgen betrachten Sie sich die Sauerei, nehmen zwei Aspirin gegen den Kater und machen alles sauber.
Die Gans mundet kalt auch vorzüglich. Als passende Beilage empfehle ich, na was wohl? - Eine Flasche Obstler!

Viel Erfolg und gutes Gelingen beim Nachkochen. Guten Appetit und zum Wohle.
Ihr Norbert Ruge
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Wenn de eigne Wahrheit de oanzige is

18.08.10 Permalink
von Theresia Schneizlinger

Er schaugt ja wirklich liab aus, da Sebastian Frankenberger, der Initiator vo dem Voiksentscheid weng am generellen Rauchvabot in de Wirtshäuser - und überhaupts: treuherziger Dackelblick, Dauerlächeln, Softie irgendwie. Von wegen!

Fortsetzung:

Normalerweis laffa oide Leit mit überdimensionierte und abbruchsichere Betonköpf umandand. Ja mei - de sann hoid oid und do konn ma ned vui Toleranz erwarten. Ma moanat, de junga Leit hättn dazuaglernt. Da Frankenberger mit seine 28 Jahr jedenfois ned. Guad: A Mo mit 28 is natürlich ned ois reif zu bezeichnen, weil bis se bei junge Männer da Testosteronstau auf a sozialvertägliches Maß eipendelt, des braucht sei Zeit. Und wenn ma sunst koa Richtschnur hod im Lebn, wenn ma beutelt is vo de Anforderungen im richtigen Lebn und bloß oans hod: a Vision - dann geht ma in d Politik. Und der Bua hod einfach a Glück ghabt, daß die ÖDP gibt. Wer sunst häd eahm gnumma? Gnumma scho, jeder Beitragszahler is bei de Parteien mittlerweile gfrogt. Aber daß aa wos zum Sagn hod!

I woaß ned so recht, wos i vo am Politiker zu hoitn hob, der mit 19 Jahr sei erste "Milchschnitte" gessn hod und des aa nur einer Freindin zuliebe (SZ, 18.8.2010)? Gleichaltrige warn eahm immer scho zu langweilig; er trinkt koan Alkohol. Vielleicht war aber er de andern zu langweilig? I stell ma grad vor, wia da Frankenberger mit 17 Jahr in übermenschlicher Selbstverleugnung mit a paar Spezln am Biertisch hockt, an seim Sprudel zuzelt und ned wega de Rauchschwadn im Lokal ned durchblickt bei de Gespräche und da Gaudi am Tisch: Er is unter Aliens! Er is da Meister Proper unter de geistigen Umweltverschmutzer! As mensch-gwordene Sagrotan unter Sondermüll! Mei liawa, des muaßt fei erst amoi aushoitn! Und des hinterlaßt Spuren in der Psyche: Wenn da Frankenberger bei Festivitäten entweder unter dem Jubel vo de Bedienungen aus m Festzelt nausgschmissn werd oder dank Sicherheitsdienst gar ned erst neikummt: Der Bua lächelt und lächelt und lächelt...

Wer sei Meinung gega olle Widerständ durchsetzt, konn a Mahatma Ghandi sei, a Rupert Neudeck, a Nelson Mandela oder a Martin Luther King. De und vui andere Beweger ham dem Frankenberger aber ganz wos Wichtiges voraus: Sie habn immer olle Leit im Blickfeld ghabt; de oane Seiten mit neinemma, hod ned ghoaßn, de andre Seiten ausschliaßn und niedermacha. Des muaß der Bua no lerna, daß genau des Demokratie is. Aber mit 28 Jahr - do is nix mehr drin in der Richtung. Na ja, oa Sektierer mehr in da Welt, es hod ja gnua gebn. Davo könna d nordamerikanischen Indianer vereinzelt no berichten, d Mayas, Inkas und Aztheken nimmer.
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Obgrenzen

06.07.10 Permalink
von Theresia Schneizlinger

Mia ham ja im Glockenbachviertel recht schene greane Fleck wia z.B. in de Isarauen oder hintn am Westermuihbach. Des schaugt so richtig naturbelassen aus - aufn ersten Blick jedenfois. Aber hergottsa! Warum muaß fast jeder Wiesenfleck mit dene Hoizglander eizäunt werdn? Des is a soichana Schmarrn!

Fortsetzung:

I dads ja no eiseng, wenn de an praktischen Zweck hättn, hams aber ned. De sann so nieder - vielleicht 30 cm hoch -, daß a jeds Kind locker drübersteing und jeder kloane Hund unten durchschlupfa ko. Und größere Leit und Hund hupfa hoid drüber. Und es is ja ned a so, daß auf de eizäunten Fleck bsondane Bluma oder a akurat pflegter englischer Rasen wachst, de vorm Zammatrampen gschützt werdn miaßatn. Und ois Zierde daungs aa nix: nackate runde Hoizboiken - wo soi des sche sei?

I glaub, de runden Hoizbarrieren ham eher wos mit da Pingeligkeit und dem Ordnungswahn vo uns Deitschn z doa: Oiss muaß eigrenzt und obgrenzt werdn. Des derf ned sei, daß a Stückerl Wiesn einfach so vor sich hi wachst. Na! Do muaß glei a Zaun rum. Oder soi des a Art Gedächtnisstützn sei dafir, daß ma ned vom rechten Weg obweicha? Daß ma immner brav grodaus genga und koane unkontrollierten Schlenker macha? Daß Grenzen dafir do sann, um eighoitn zu werden! Merci Mausi! Oder soin de Hoizboiken ois Leitsystem fia Bsuffane diena? So a Art Bio-Navi? Damit s z.B. ned beim Schlangenlinien-Geh in Westermuihboch foin?

Mi dad ja scho interessieren, wos a Meter vo dem Hoizzeig zum Hibaun kost. Vielleicht steiht se ja raus, daß 10 Meter vo dem Zeig sovui kosten wia a Rutschn auf am Kinderspuiplatz. I hob zwar koane Kinder, aber des scheint ma dann doch a sinnvollere Investition.
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Und des so gmiatlich sei?

06.07.10 Permalink
von Theresia Schneizlinger

Ma konn mia ned nochsong, daß i mia a Urteil buid, ohne daß i woaß, vo wos i red. Oiss konn ma ned ausprobiern, aber des hob i ausprobiert: Bonsaimöbe auf Freischankflächn.

Oiso hob i ma des erstbeste Cafe mit Kindermöbe ausgsuacht fia mein Seibstvasuach: As Hihocka is gottseidank ohne Knirschen in de Knia ganga (ma is ja nimma de Jüngste), die i dann im Sitzen knapp unterm Kinn ghabt hob. Warum i d Haxn ned ausgstreckt hob? Wei i dann de Grenzmarkierung vo da Freischankfläch um Wadlläng überschritten und de Fuaßgänger ins Gehege kumma waar!

Fortsetzung:

I hob ma dann an Kaffe und an Kuacha bsteit. Damit i an de auf dem Kindertisch hikumm, hob i d Schuiter mit da Greifhand obsenka und as Kreiz seitlich vabiang miassn. I hob ja bloß de Hand hernemma kenna, de auf das Seitn vom Tisch war, weil da andern Hand warn meine Knia im Weg. Noch m dritten Blaubeerkuachastückl und seine farbigen Spuren auf meim Gwand hob i an Kuachateller auf de Knia obgsteit. Mei liawa, spitze Knia derfst do ned hom! Noch a hoibn Stund Kauerstellung habn meine Knia mit am stechatn Schmerz rebelliert - und d Fiaß warn eigschlaffa. Vor meim geistigen Aug hod a Thrombose bliaht und desweng woit i den Seibstvasuach liawa obbrecha und zoihn. Mittlerweile war in dem Kindermöbeland aber Hochbetrieb und mir hods graust vor dem Schauspui, des i am Publikum beim Aufsteh gebn kannt. Oiso bin i sitnbliebn, bis a paar Gäst ganga sann. De mitleidigen Blick vo de vabliebna Leit, ois i mi aus meim Kindersitz quält hob, hob i mit a paar gspaßige Sätz übaspuit.

Weiche Erkenntnis hod des Ganze brocht? I woaß endlich, wos des Wort "Beugehaft" bedeit.
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Das Messner-Syndrom: 30 Grad im Schatten

06.07.10 Permalink
von Karin Zick

Sọnn|tag; (der) - Nach Vollendung seines sechstägigen Schöpfungsmarathons besah sich unser aller Erfinder am siebten Tag sein Werk vom Liegestuhl aus, einen alkoholfreien Cocktail schlürfend. So erzählt es die Überlieferung - beinahe - und seither ist der Sonntag der Tag der flächendeckenden Arbeitsniederlegung und des Mü­ß­iggangs. Angeblich betrachtete Gott sein Werk mit Wohlgefallen; er hat seinen Kontrollblick sicher nicht an einem heißen Sọm|mer|tag; (dem) umherschweifen lassen. Außerdem gab es zu seiner Zeit noch keine hitzebeständigen Großstadt-Backöfen und damit kein Glockenbachviertel, das sonntags bei 30 Grad im Schatten eine Art Rückwärts-Metamorphose durchlebt: vom quirligen, bunten Schmetterling zur sich behäbig dahinwälzenden Raupe.

Fortsetzung:

Wer nicht unbedingt auf die Straße muß, läßt es. Damit fällt bereits die Hälfte der Viertelbewohner in ihrer Funktion als Einkaufende aus. Ein weiteres Viertel der Bewohner in Form von Erziehungsgeldbeziehern oder Voll­zeitmuttis und -pappis, die ihren Nachwuchs unter der Woche auf kindgerechten Freischankflächen die kostbare Luft des Sehens und Gesehenwerdens schnuppern lassen, fällt ebenfalls weg: Sonntags ist die Familie komplett und es wird gemeinsam ins Grüne und ins Blaue gefahren.
Die verbleibenden 25 Prozent Glockenbachviertler teilen sich weiter auf: In kluge Stubenhocker hinter jalousie- oder vorhangbewehrten Fenstern und damit in erträglich temperierten Räumen. Und in heroische Widerständler gegen einen schwedischen Astronom namens Celsius. Sie finden sich vereinzelt unter Spaziergängern und vermehrt unter den Markisen der Freischankflächen - auch für mich an manch hitzeflirrenden Sonntagen eine verheißungsvolle Zuflucht. Ein Freibrief für das Vermeiden unnötiger Bewegungen und die Erlösung stets in Griffweite - ein kaltes Bier! Es lacht mir entgegen. Wie die ersten Schlucke der Kehle kühlend schmeicheln, sich bis zur Körpermitte erfrischend weiter schlängeln! Ich lehne mich zurück und weiß: dies ist der einzig passende Ort, Herrn Celsius den Stinkefinger zu zeigen. Aber zwischen den Schlucken? Ich lausche in den Äther der Straßen: kein erotisches Klacken von High-Heels, an deren oberem Ende ein optischer Schmaus von Weiblichkeit winkt. Stattdessen Badelatschen, die in Zeitlupe vorüberschlurfen. Keine kniffligen Verkehrssituationen an der Kreuzung mit testosterongesteuerten Schimpftiraden aus heruntergefahrenen Fahrerfenstern. Kein Knäuel aus Fünftonner, Geländewagen und Smart und der Möglichkeit, auf den Sieger zu wetten. Es ist still, beängstigend still und das bißchen, was sich an Lebensgeräuschen auf die Straße traut, wird von einem lähmenden Hitzetuch gedämpft.

Meine zweite Halbe. Wer bringt es auf mehr Flüssigkeit am Tisch? Das Bierglas oder mein zerfließender Körper? Die Krähe in der Kastanie gegenüber hechelt. Hielte sie einen Wurm im Schnabel, sie ließe ihn sich ohne Gegenwehr stehlen: Bei 30 Grad braucht der Körper alle Reserven zur Klimaregulierung - da heißt es, jede unnötige Kraftanstrengung zu vermeiden. Ich kann es ihr nachfühlen: Mein frisch gefülltes Bierglas lacht mich nicht mehr an, es grinst mich an: Es weiß um seine Verführungskunst und meine schweren Arme. Mittlerweile bedeutet jede noch so kleine Bewegung eine schier übermenschliche Anstrengung. Ich bin der Reinhold Messner der Freischankfläche und das Weißbierglas ist mein persönlicher Achttausender. Um das Erreichen des Gipfels, nämlich einen Schluck daraus zu nehmen, werden sich keine Verlage und Fernsehsender prügeln. Aber ich werde es schaffen! Auch wenn mir niemand glaubt, daß der Weg zum Bierglas bei 30 Grad im Schatten und mit Bleiarmen einem Trip in der Todeszone gleichen kann.
Möge mir unser aller Erfinder nicht die Messner-Burg in Südtirol geben, sondern das Leben: 20 Grad Celsius.

(Der Text erschien in "Hallo München" am 5.8.09)
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Kinderlogik

14.06.10 Permalink
von Karin Zick

"Du, Papi, da küssen sich zwei Männer."
Papi hält dem Sohn die Augen zu: "Das ist bäh, wenn Männer sich küssen."
Nach einer Weile: "Du Papi, da küssen sich zwei Frauen."
Papi schaut interessiert hin, sagt dann aber: "Das ist auch bäh, wenn sich zwei Frauen küssen!"
Etwas später: "Du Papi, da ist Mami. Sie küßt einen Mann. Das ist aber nicht bäh, gell?"
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Wer ist die Schneizlinger?

04.04.09 Permalink
Theresia Schneizlinger wird hier in unregelmäßigen Abständen ihren Senf zu allen Themen geben, die ihr die Zornesadern anschwellen lassen. Und sie wird es in Münchner Mundart tun.

Wir können uns die Dame als echtes Münchner "Gwachs" vorstellen, Ende 50, Typ Kellnerin oder Hausmeisterin.

D' Schneizlinger nimmt kein Blatt vor den Mund und manch einer hat ihr deswegen schon eine Watschn angedroht. Kurz: es wird nicht jedem gefallen, was sie hier zum besten gibt. Aber wie d'Schneizlinger meint: "I sog ja nix, i moan ja bloß." Womit sie das grundgesetzlich verankerte Recht auf Meinungs- und Redefreiheit postuliert und gleichzeitig feststellt, daß ihre Äußerungen rein subjektiv zu sehen sind.
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